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Artikel-Schlagworte: „Sexualbegleitung“

Heute bekam ich eine PN in einem Forum, doch bitte einmal den neuen Blog eines Freundes zu “testen”, ob denn alles funktioniere.

Ich hab mich sehr gefreut, daß nun auch Rolliman begonnen hat zu bloggen.

Rolliman bloggt über Themen, die ihn persönlich; seine Sexualität; Mobilität und Lebensqualität betreffen.
Das sind ganz sicherlich Themen, die nicht nur Spastiker oder andere Menschen mit Behinderung, sondern auch “ganz normale Fussis” interessieren können.
Noch steht nicht allzu viel drin – aber ich bin sicher, das ändert sich schnell :)

Ich freu mich auf mehr.
Liebe Grüße, Karin

Hier ein Interview mit Nina de Vries auf dem Sozialhilfekongress 2010

 

Da ich heute eine freundliche Anfrage per Mail bekommen habe, ob ich GRUNDSÄTZLICH keine Kontakte mit Menschen mit geistiger Behinderung wünsche, möchte ich diesen Weg nutzen, um meine Äußerung auf meiner http://prohandicap.blueglasses.de zu konkretisieren:

Ich glaube, es war 2006 oder 07, als ich die auf meiner Homepage erwähnte HEP kennenlernte.
Ich bekam von ihr eine Anfrage für einen ihrer Heimbewohner.
Sie erzählte mir von einem Mann über 40, der sich offensichtlich nach Berührung sehne; dieses deutlich zeige, in seinem Verhalten gegenüber dem weiblichen Pflegepersonal; einem Mann, der noch nie erotisch berührt worden war und unter der wohlmeinenden Aufsicht seiner Eltern stünde.
Das Heim sei in Absprache mit den Eltern zu der Einsicht gekommen, man müsse etwas tun.

Ich habe mit dieser HEP ein Gespräch beim Kaffee angestrebt, um nähers über diesen Mann – und auch die Gedanken der Pflegekräfte, des Heimes insgesamt und der Eltern zu erfahren.
Das ansich übersichtlich angedachte Gespräch wurde überraschend gut, ausführlich, lang und freundlich. Aus ihm erwuchs eine bis heute andauernde Freundschaft, die uns beide bereichert.

Das Zusammensein mit diesem Mann mit geistiger Behinderung wurde vom Heim hervorragend organisiert.
In einer kleinen Pause zwischendurch lernte ich das Personal der Station kennen, die allesamt auf mich neugierig waren.
Und es gab Gespräche nach dem Zusammensein, in welchem ich mit den Verantwortlichen reflektieren konnte.
Man machte sich Gedanken, was man evtl. anders machen könnte; was Sinn macht für den MmB und ob das Zusammensein letztlich das bewirkte, was erhofft wurde.

Insgesamt war der Schritt zur Sexualbegleitung für diesen Mann für uns alle bereichernd.
Für den MmB, für das Personal und auch für mich. Und dies keinesfalls im finanziellen Bereich, sondern vielmehr menschlich und emotional.

Dies war für mich der erste Schritt, mich an Behinderungsformen zu wagen, mit welchen ich noch keinerlei Erfahrungen hatte.
Der erste Schritt, Nähe zu wagen – mit der Gewißheit, in diesem Bereich erfahrene Menschen stehen mir bei, Unwissenheit und Fehldeutungen richtig zu rücken und Neues zu lernen.
Und das war für mich die Basis, Neues zu wagen und es dennoch gut machen zu können.

Geht es doch schließlich um Menschen; um Gefühle; um Verletzlichkeit; Offenheit und Nähe. Geht es doch um etwas, das man nicht so leicht “reparieren” und wieder “ausbügeln” kann, wenn etwas ungut gelaufen ist.

Nach diesem “Einstieg” war ich frohen Mutes.
Ich hatte gedacht, ich hätte mich klar formuliert auf meiner Homepage.
Dachte ich doch, daß alle HEP verantwortungsvoll um das Wohl der MmB bemüht seien und  sie seien ebenso bemüht, wenn sie etwas “Gutes” in die Wege leiten, alles dafür zu tun, damit es auch “gut” werden KANN.

Ja…. – es hat sich als Naivität erwiesen; als Irrtum und Fehldenken.
Ja, ich mußte begreifen, daß nicht alle Menschen in sozialen Berufen auch tatsächlich sozial handeln.

Ich hatte inzwischen bereits mehrere weitere Kontakte mit Mm geistiger Behinderung.
Meist funktionierte doch zumindest das Bringen dieses Menschen.
Die HEP kamen auch noch auf einen Kaffee mit hoch.
Ein kurzes Gespräch in Anwesenheit des MmB – wo es  doch zugegeben viel besser wäre, dieses im Vorfeld ohne diese Anwesenheit zu gestalten; wofür aber ein HEP wohl keine Zeit findet. Aber wie sonst, soll ich von diesem MmB und den Beweggründen des Heimes Kenntnis bekommen?!
Wie sonst soll ich wissen, worin das Ziel dieses Zusammenseins aus Sicht des HEP liegt – und worin das des MmB?!

Bereits hier liegt vieles im Argen.
Es lösen sich nicht alle “Auffälligkeiten” des MmB in Nichts auf, nur weil man ihn zu einer SW bringt und denkt, “kurz reinstecken” sei die Lösung aller Probleme.

Ich hätte mir bei diesen Zusammentreffen durchaus gewünscht, einen Ansprechpartner zu haben.
Jemanden im Rücken zu wissen, der mir meine Fragen beantwortet.
Jemanden, der mich unterstützt, manches zu verstehen oder richtig zu deuten.
Jemanden, der den MmB in einem Notfall oder auch bei Grenzüberschreitungen mir gegenüber sofort wieder abholen oder entsprechend versorgen kann.

Stattdessen wird mir am Tel. der Mann als “pflegeleicht” und “sehr nett” beschrieben. “Ohne jedwelches Agressionspotential”; “völlig ungefährlich”; und anderes gleichlautendes.

Klar ist, daß die meisten HEP den MmB noch nie beim Sex erlebt haben.
Klar ist, daß die meisten HEP somit nicht wirklich wissen und abschätzen können, was Nacktheit; Körperlichkeit; Nähe; Berührungen in einem Mann mit geistiger Behinderung tatsächlich bewegen und auslösen können.

Man “parkt” mir diesen Menschen hier und verschwindet.
Ohne mir eine Tel-Nr. zu hinterlassen; ohne in der Nähe zu bleiben und ohne sich tatsächlich mit der Sexualität dieses Menschen auseinander setzen zu wollen.

Oft höre ich Aussagen, daß das doch viel zu intim sei; daß das doch den HEP garnix anginge; daß man doch die Privatssphäre des MmB schützen und wahren müsse; daß man sich doch hier nicht einmischen dürfe; ….

Aber mal ganz ehrlich:
Wenn ein HEP ein Zusammensein mit einer SW organisiert…. WAS IST DAS DENN?
Ist das keine Einmischung? Ist das nicht intim? Ist das nicht schon nah? Ist das nicht bereits offen?

Wer a sagt, sollte auch bereit sein, b zu sagen.
Wer sich kümmert, sollte sich auch GANZ kümmern.
Wer sich angesprochen fühlt, sollte auch ALLES hören wollen.

Ich habe keine Ausbildung in einem sozialen Beruf.
Ich habe nicht Psychologie studiert oder Pädagogik.
Ich habe nie in einem Beruf gearbeitet, in dem man Erfahrungen mit MmB sammeln könnte und etwas über Problemlösungen lernt oder “Supervising” hätte.

So kam es, daß man mich alleine lies mit einem Mm geistiger Behinderung, der sich bei der Onanie fast den Schniedel abriß, der bereits dunkellila war und drum herum alles wundgescheuert und blutig war.

Ein anderer Gast wollte sich bei mir überhaupt nicht ausziehen. Er sah keinen Grund und keinen Sinn, sich auszuziehen oder sich berühren zu lassen.

Ein anderer war völlig stuhlverschmiert und die Kleidung voller Essensreste einer ganzen Woche.
Er wollte mich die ganze Zeit küssen und nicht einsehen, weshalb ich “meinen Freund”, der ja nun hier bleibt, nicht küssen möchte.

Ein Weiterer ruft laufend hier an und sagt mir, wie dringend ich es doch bräuchte, von ihm oral verwöhnt zu werden. Ich würde ihn doch so vermissen. Und ich müsse doch sofort Zeit für ihn haben.

Einen Mann ohne Behinderung weise ich in seine Schranken und beende notfalls das Zusammensein.
Einen Mann mit geistiger Behinderung kann man nicht einfach auf die Straße setzen.

So werde ich nun also gefragt, ob ich “Menschen mit geistiger Behinderung” grundsätzlich ausschließe.
Hierzu kann ich nur sagen, daß mein Problem nicht bei der geistigen Behinderung liegt.
Mein Problem liegt vielmehr am Unwillen der HEP, sich mit mir und mit dem MmB auseinander zu setzen.
Mein Problem liegt darin, daß HEP nicht MITarbeiten wollen.
Es liegt darin, daß HEP mich alleine lassen und nicht als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Daß man mir Medikamente für den Notfall auf den Tisch stellt und geht – ohne mir eine Nummer zu hinterlassen.

Ich bin bereit, mit Heimen und HEP ZUSAMMENzuarbeiten.
D.h. ich kann meinen Teil zu deren Arbeit beitragen – aber ich übernehme sie nicht im Ganzen.
Ich mache Sexualbegleitung – nicht psychologische Betreuung; Notfallversorgung; Hygiene und anderes.
Ungewaschene Menschen sind ungewaschen – ob nun behindert oder nicht. Und für´s Waschen bin ich nicht zuständig.

Nein, ich bin sicher nicht völlig verschlossen, gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung.
Aber ohne sinnvolle und entgegenkommende Mitarbeit des Betreuungspersonals und ein Kennenlernen im Vorfeld lehne ich zukünftig – verständlicherweise – Termine in dieser Art ab.

Liebe Grüße Karin

Ich biete nun schon einige Jahre Sexualbegleitung für MmB an.
Auch, wenn ich nicht im ISSB Trebel war und nicht zertifiziert bin, denke ich doch, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen mit Menschen im Allgemeinen; mit inzwischen auch unterschiedlichsten Arten von Behinderungen und auch mit meiner menschlichen Art und meinem Herzen durchaus in der Lage bin, diese verantwortungsvoll anzubieten.

Ich betrachte auch Menschen mit Behinderung genauso, wie ich Menschen ohne Behinderung betrachte.
Ich möchte auch mit ihnen im Vorfeld telefonisch herausfinden, ob Chemie; das Denken und Fühlen und vor allem die erotischen Vorstellungen;
Grenzen und Tabus miteinander harmonieren und hatte bei autonom lebenden MmB inzwischen schon sehr schöne Erlebnisse und Erfahrungen machen dürfen,
die ich als bereichernd empfinde und niemals missen möchte.
Ich bin bislang immer sehr gut damit gefahren, ehrlich zu sein.

Wenn bereits beim Telefonat eine ungute oder gereizte Stimmung aufkommt oder meine Grenzen tangiert werden, ist es besser ein Treffen zu unterlassen und dem Gegenüber die Möglichkeit zu belassen, eine andere SW (Sexworker) zu finden und dort dieses Geld zu investieren.

Besser, ein ehrliches NEIN, als ein ungutes Erlebnis für beide Seiten.
Von daher bin ich jederzeit bereit, mich bei autonom lebenden MmB auf jede Art von Behinderung einzulassen und gemeinsam herauszufinden, was machbar ist und was nicht – und dann gemeinsam zu sehen, ob ein Treffen Sinn macht, oder auch nicht.

In den letzten Jahren nun beginnen die Pflegekräfte, Assistenten und Heilerziehungspfleger in Wohnheimen oder auch in der ambulanten Pflege sich zunehmend Gedanken zu machen über die Sexualität ihrer Arbeitgeber und nach Lösungen und Ansätzen zu suchen, wie man auch hier unterstützen und/oder organisieren kann.

Leider scheint es keine Austauschplattform für die einzelnen Institutionen zu geben und jeder versucht auf eigene Faust im städtischen Umfeld einfach mal drauflos zu probieren.

Ich bin sehr froh, dass die Schule für HEP (Heilerziehungspfleger) in SHA sich hier mutig in den diakonischen Wind stellt und ihren Auszubildenden die Möglichkeit gibt, schon im 3. Lehrjahr mehr über Sexualbegleitung zu erfahren und Fragen zu stellen, für die es sonst kaum einen Ansprechpartner gibt.

Aber solche Projekte sind rar.
Und die Überforderung der Institutionen in der Pflege ist spürbar.
Man MÖCHTE helfen und unterstützen – aber keiner weiß so recht WIE.
Der Ruf der Prostitution ist eher negativ behaftet und in letzter Zeit gab es für mich manche Erlebnisse, derenthalber ich hier diesen Beitrag schreiben möchte.

Dadurch, dass die Aktivitäten der Heime und ambulanten Pflege noch in den Kinderschuhen stecken, habe auch ich nicht allzu viel Erfahrung mit der Vermittlung durch Dritte.

Ich bin sehr froh, dass SHA in diesem Fall bereits im Vorfeld arbeitet und auszubildenden HEP durch mich eine Art „Schnupperkurs in Kommunikation mit einer Prostituierten“ gibt.
Nimmt dies doch ein großes Stück Berührungsängste; Vorbehalte und Vorurteile.
Gibt dies doch ein Stück Vertrauen dahingehend, ehrlich zu sein in allen Belangen und mutig zu sagen und zu fragen, was wichtig ist.

Für mich war immer klar, dass ich nur ehrlich arbeiten kann und möchte.
Ich möchte sagen können, wenn ich mit einem Gast nicht „kann“.
Ich möchte ernst genommen werden, wenn ich in den letzten Jahren erkannt habe, bei Menschen mit geistiger Behinderung überfordert zu sein.
Ich möchte sagen können, wenn mir etwas auffällt, das erwähnenswert scheint.
Ich möchte sagen können, wenn ich in meinen Grenzen angegriffen werde.
Ich möchte sagen können, wenn ich etwas ablehne.
Ich möchte auch sagen können, wenn ich etwas gut fand.

UND ICH MÖCHTE, DAß MAN MIR ZUHÖRT.

Genau so, wie ich dieses auch der anderen Seite ermögliche und anbiete.

Es geht doch im Kern ganz klar um das Wohl des MmB.
Es geht darum, dass die Assistenz dem MmB etwas GUTES tun möchte.
Es geht darum, dass auch ich möchte, dass meine Arbeit etwas Angenehmes für den MmB darstellt.

Ich war bislang bei Anrufen von Institutionen immer bestrebt, eine Zusammenarbeit herbeizuführen.
Um einem betreuungsbedürftigen MmB ein angenehmes Erlebnis zu bereiten braucht es nicht nur meinen Körper und ein Bett.

Es braucht einiges an Vorbereitung und Planung. Auch ich benötige einiges an Wissen über diesen Menschen; seine Behinderung; sein „Machbares“ und ich möchte gerne wissen, ob ich mich dem überhaupt gewachsen fühle, oder nicht.

Die An- und Abfahrt muß organisiert werden und auch hinterher wünsche ich ein Gespräch mit der Person, die das Zusammensein ermöglicht hat.
Ich wünsche feedback in und aus beiden Richtungen.

Mir scheint manchmal, dass einige HEP nun mit dieser „neuen Ausrichtung auf die Sexualität von MmB“ etwas übereifrig sind.
Da ist ein Bewohner, der scheinbar erotische Gefühle hat – dann fährt man ihn mal kurz zu einer Hure und alles ist wieder gut.
Man liefert ihn ab und überlässt ihn dann dieser Frau – ob „vertrauensvoll“ oder „gleichgültig“ ist nicht so einfach zu unterscheiden.
Für mich zumindest fühlt es sich beschi***n an.

Das fängt schon damit an, dass ich einen Anruf bekomme, von einer osteuropäisch klingenden Frau. Sie sprudelt irgendeine wirre Mischung aus „Sie machen doch….“ Und „Ich will, dass Sie….“ an mich hin und erwartet, dass ich umgehend einen Termin und meine Adresse benenne.

Alternativ bekomme ich Mails von verantwortungsbewusst wirkend möchtenden HEP, die denken, sie müssten mir die Behinderung und den Charakter ihres Bewohners schönreden.
Die Behinderung ist natürlich überhaupt nicht schlimm und er ist der einfachste und liebste Bewohner ihres Hauses…

Ich bitte grundsätzlich darum, dass eine Person des Pflegepersonals zu einem kurzen Kaffee und Gespräch (mit dem MmB der hergefahren wird), zu mir hoch kommt. Diese Zeit berechne ich nicht.

Ich möchte gerne mehr wissen über den MmB.
Ich möchte merken, ob es passt.
Ich möchte wissen, weshalb das Pflegepersonal denkt, ein erotisches Erlebnis sei für den MmB sinnvoll und gut.

Und ich möchte wissen, was sich der MmB denn überhaupt selbst wünscht.
Auch möchte ich die Möglichkeit bieten, dass der MmB hier vor Ort noch immer sagen kann und darf, dass er sich vielleicht mit mir nicht wohl fühlt; dass ich nicht seinen Vorstellungen entspreche; dass er lieber gleich wieder gehen möchte.

Ich möchte eine Handynummer dieser Betreuungsperson.
Diese sollte in der Nähe meines App. bleiben können.
Ich möchte, bei gesundheitlichen oder anderen Problemen einen Menschen greifbar haben, der weiß, was zu tun ist.
Ich möchte – sollte ein Zusammensein abgebrochen werden müssen – jederzeit einen Ansprechpartner haben, der den MmB wieder abholen kann.

Verantwortung übernehmen heißt für mich nicht „Geld verdienen um jeden Preis“ oder „abfertigen“ – sondern meinem Gegenüber entsprechend einen Rahmen zu schaffen, in dem er sicher und gut aufgehoben ist.
In dem er sich wohl fühlen kann und er respektiert wird.

Leider scheint mancher Mitarbeiter einer Institution dies anders zu sehen.
Ich hatte in letzter Zeit mehrere Erlebnisse, die mir das Gefühl vermitteln, besser nicht mehr mit Heimen oder ambulanten Pflegediensten zu arbeiten.

Meine Bitten um Greifbarkeit und feedback werden beim Kaffee zwar noch angenommen, jedoch danach ignoriert und für überflüssig befunden.
Auch Ehrlichkeit scheint eher etwas Negatives, denn Gutes zu sein.

Es wird ein Kontakt hergestellt, bei dem man mir den MmB massiv „gut-redet“ und vieles verschwiegen wird.
Beim Kaffee kommt das Gefühl auf, die Betreuungsperson hat es eilig.
Abholen? In der Nähe bleiben? Das braucht es nicht. Der MmB hat ein Tel. und eine Nummer vom Fahrdienst. Das wird schon gut gehen – er ist ja „ein Netter“…..

„Der Nette“ hat dann doch eine (mir verschwiegene) geistige Behinderung und will auch plötzlich ganz andere Dinge, als abgesprochen gewesen war.
Und die Stunde ging auch viel zu schnell vorbei.
Und weils doch so schön ist, ….. noch ein bisschen reden; noch ein Weilchen länger zum Anziehen… und ach… die Nummer vom Fahrdienst… wo war die gleich….

Letztlich werden so aus 1 Stunde gern mal 2 – und ich bin gezwungen, dann zu einem Mann mit geistiger Behinderung auch recht klar und deutlich zu werden.
Ich bin gezwungen, Grenzen zu setzen und ihn einem für mich nicht absehbaren Risiko auszusetzen, indem ich ihn nach 2 Std. dann einfach endgültig weg schicke.

Als ich nach einer weiteren Stunde Feierabend machte, stand er noch immer vor dem Haus und wartete auf seinen Fahrdienst.
Meine Stunde Mehr-Arbeit bekam ich nicht bezahlt.
Ein feedback-Telefonat fand nicht statt.

Wenn also die wohl gut gemeinten – aber nicht wirklich gut umgesetzten – Anfänge von HEP in Bezug auf gelebte Sexualität von MmB so aussehen
Wenn MmB stundenlang dumm vor Hauseingängen rumlungern und nicht abgeholt werden
Wenn MmB ungewaschen; stuhlverschmiert und mit dem Essen der letzten Woche auf dem Hemd einfach so bei Sexworkern „ausgesetzt“ werden
Wenn Sexworker belogen, ausgenutzt und um ihr Honorar geprellt werden

DANN KANN DAS NICHT ZUM WOHL DES MENSCHEN MIT BEHINDERUNG SEIN.
Und auch nichts Positives für die Sexworker haben.
Und dann läuft da eine ansich gute Absicht offenen Auges in eine Abwehrsituation auf beiden Seiten.

Wie soll ein Sexworker einem MmB etwas Gutes tun, wenn er nicht die notwendigen Informationen bekommt; keine ausreichende Verantwortung und Mitarbeit des Pflegepersonals stattfindet und SW es nicht Wert zu sein scheint, dass man sich an das Abgesprochene auch hält?!

Ich bin gerne zu einer ZUSAMMENarbeit bereit – zum Wohle des MmB.
Ich bin gerne bereit, für offene und ehrliche Überlegungen und Taten, die unterstützen, dass sich ein Mensch dadurch gut fühlen kann.
Aber Instututionen sollten lernen, dass man bei einem verantwortungsvollen Sexworker auch selbst gefragt ist.

Huren, bei denen man einen MmB einfach „parken“ und „aussetzen“ kann, sind selten verantwortungsbewusst und geeignet, diesem Menschen mehr zu geben, als – bestenfalls – einen Höhepunkt.

Ich ganz persönlich bin jedenfalls kein weiteres Mal bereit, einen Menschen mit geistiger Behinderung einfach vor die Türe zu setzen.
Ich bin nicht bereit, auf mein Honorar zu verzichten, weil ein HEP seine Arbeitszeit und seinen Arbeitslohn nicht mit der Abholung einer zu beaufsichtigenden Person verbringen/verdienen möchte.
Ich bin nicht bereit, mich mit fäkalienverschmierten Tatsachen auseinander zu setzen, weil Pflegepersonal sich nicht zuständig fühlt, vor dem Besuch einer SW für Körperpflege zu sorgen.

Ich freue mich, daß die Sexualität von MmB langsam anerkannt und respektiert wird.
Aber ich denke auch, daß es noch viel zu lernen gilt.
Karin

Radiobericht des Ö1 mit bildlicher Untermalung zum Thema Sexualbegleitung:

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